Das Forschungsinstitut am GoetheanumDie Naturwissenschaftliche Sektion der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft und die Sektion für Landwirtschaft betreiben gemeinsam ein interdisziplinäres Forschungsinstitut am Goetheanum. Sitz des Instituts sind zwei Gebäude im Umfeld des Goetheanums: das Glashaus und das Kristallisationslabor. Forschungsgebiete des Instituts sind Biologie, Agrarwissenschaften, Heilpflanzenkunde, Chemie, Physik und Bildschaffende Methoden.
Unterscheidet sich eine gentechnisch manipulierte Tomatenpflanze nur in einem winzigen Detail ihrer Biochemie von einer nicht manipulierten Pflanze - oder haben wir es mit einer neuen Pflanze zu tun? Wie müssten Schüler oder wir Erwachsenen Begriffe wie "Stoff'', "Kraft'' oder "Licht'' denken, um die Welt als und nicht als Rohstoffquelle oder Müllhalde anzuschauen? Was macht die Qualität von Heilpflanzen für die Herstellung bekannter oder gar neuer Arzneimittel aus? Solche und ähnliche Fragen bilden das aktuelle Arbeitsfeld unseres Instituts. Wir verstehen Forschung dabei nicht als blosse "Analyse''; gute Forschung verändert immer auch das Bild der Welt, schafft neue Perspektiven und Orientierungsmöglichkeiten angesichts von Zeitfragen wie Gentechnik oder Klimawandel, ermöglicht neue Fragen und Verantwortung (vgl. Publikationsliste).
Methodenbewusstsein ist dafür unverzichtbar - wir versuchen, neue Wege zu gehen und dabei vom Forschungsgegenstand und auch von fachfremden Disziplinen zu lernen, was dazu nötig ist. Zwar fühlen wir uns dabei den Goetheschen Forschungsmethoden verpflichtet, doch verstehen wir "Goetheanismus'' nicht als fertige Methode, sondern als bei folgenden Anliegen:
* Pflege des Umgangs mit sinnlicher Erfahrung. Bei der Beurteilung von Kristallisationsbildern, dem Umgang mit chemischen oder physikalischen Experimenten, der Gestaltung von Landschaft oder in der Arbeit mit morphologischen Methoden an Pflanzen geht es darum, sich auf sinnliche Erfahrungen einzulassen und nach Begriffen und Ideen nicht hinter, sondern in den Erscheinungen zu suchen.
* Pflege des Umgangs mit der eigenen Denktätigkeit. Bei jedem wissenschaftlichen Begriff ist die Frage zu stellen, wie und in welchem Kontext er zustande kommt. So wird die gedankliche Blickrichtung selbst zu einem Inhalt, der mit dem Erkenntnisgegenstand zu tun hat.
* Die Arbeit greift exemplarisch die methodischen Hinweise und inhaltlichen Aufgabenstellungen auf, die sich aus der Anthroposophie für die Naturwissenschaft ergeben, einschliesslich der spezifischen Angaben für Schulungswege.
* "Wissenschaft entsteht im Gespräch'' (W. Heisenberg): Das Institut ist Forum für Diskussion und freundschaftlich-kritischen Auseinandersetzungen - beides wesentliche Voraussetzungen für jede Forschung. Unsere Arbeit steht auch im wissenschaftlichen Kontext der Gegenwart, wir suchen interdisziplinäre Zusammenarbeit und Austausch mit Wissenschaftlern, Künstlern, Lehrern und interessierten Laien aus aller Welt.
Dabei werden die Grundinhalte der Anthroposophie nicht als gegeben angenommen, sondern als prinzipiell offene Blickrichtungen aufgefasst. So entstehen neue Gesichtspunkte für den Blick auf die Welt und die Anthroposophie und Offenheit für das Verständnis anderer Standpunkte - Hochschularbeit wird so konkret und lebendig. Moderne Naturwissenschaft muss dafür nicht "überwunden'' oder "widerlegt'' werden, sondern lässt sich oft sogar besser verstehen als durch konventionelle Erklärungsmuster.

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