Die Grundstimmung der Imagination

|   Heilpflanzen, Präparateforschung

Torsten Arncken

In Büchern zur Schulung der übersinnlichen Erkenntnis werden von Rudolf Steiner zwei grundsätzlich verschiedene Zugangsweisen zum Übersinnlichen geschildert. Der eine ist der im Denken ansetzende meditative Weg, beginnend mit Konzentrationsübungen und Meditationssprüchen. Für Naturwissenschaftler gibt er die Anregung mit Erscheinungen der Sinneswelt zu beginnen, sie zu bestaunen und ihre Wirkung zu erleben. Beispiele für solche Beobachtungen sind der Vergleich des Sonnenaufgangs mit dem Mondaufgang oder der von jungen, frischen Pflanzen mit alten, reifen Pflanzen. Nicht vom Denken, sondern von der Sinneswahrnehmung aus wird der Schulungsweg in die erste Schicht der übersinnlichen Welt, die imaginative Welt, gegangen.

Am Beispiel des Duftes von Pflanzen möchte ich die von mir in den letzten 30 Jahren entwickelte Methode kurz vorstellen: Das Blatt einer duftenden Pflanzen wird gerochen. Dabei versucht man innerlich zu schweigen und keine Worte zu bilden. Um das zu ermöglichen, wandelt man den Duft in Bilder um. Durch diese Willensaktivität bemerkt man in seinem Inneren ein Aufsteigen von Qualitäten. Es zeigen sich Bewegungen, Krafterlebnisse, Gleichgewichtserlebnisse usw. Diese steigen wie aus einer inneren Quelle auf und bilden so etwas wie vielfältigste Flammenformen. Dabei entsteht ein bestimmtes Gefühl, welches ich im Folgenden schilden möchte.

Durch imaginatives Erkennen schafft man grundsätzlich andere Arten von Wissens-Inhalten als im gegenständlichen Erkennen, und wenn sie entstehen, fühlen sie sich anders an. In erster Annäherung kann man sie mit mathematischem Erkennen vergleichen, also mit dem tiefen Evidenzgefühl, welches man empfindet, wenn eine Aufgabe aufgeht oder ein Beweis geführt wird. Ein vergleichbares Gefühl stellt sich ein, wenn man im Naturzusammenhang imaginativ erkennt. Das imaginative Erkennen ist ein bildhaftes Erkennen von Kräften und Verwandlungen. Der Betrachter ist dabei nicht passiv der Welt hingegeben, wie bei der Sinneswahrnehmung, sondern selbst mit seiner Tätigkeit im Schaffen des Bildes anwesend.

Ab 1990 war ich Student von Jochen Bockemühl und lernte Imaginationen an Blattmetamorphosen und Landschaftsvergleichen kennen. Zuerst konnte ich sozusagen nur das Ergebnis der Imagination gedanklich fassen und schon das begeisterte mich. Z.B. sind Blätter im Schatten anders geformt als Blätter im Licht. Aber es dauerte viel länger von der Sinneswahrnehmung in die Imagination zu kommen und die Wirkung des Lichtes zu «Sehen». Je mehr Erfahrungen ich mache, desto stärker tritt das Erleben einer übersinnlichen Substanz beim imaginativen Wahrnehmen in mein Wahrnehmungsfeld. Ich erlebe bewusster das Feld der Imaginationen, das Gebiet, in dem sie sich abspielen. Dieses ist der Ätherleib. Ich möchte hier einen besonderen Aspekt dieser Arbeit schildern.

Es ist meine Erfahrung, dass jede Imagination, unabhängig davon, auf welches Sinnesfeld sie sich bezieht, dieselbe Grundstimmung erzeugt. Man merkt an diesem Gefühl, dass man nicht mehr in der Sinneswelt ist. Deshalb spricht man auch von einem anderen Bewusstseinszustand. Und man kann sagen, dass dieses Gefühl das übersinnliche Organ ist. Es ist ein kräftiges Gefühl höchster Lebendigkeit, ein durch das Wahrnehmungsobjekt fein differenziertes Vitalitätsgefühl.

Das intensive Grundgefühl der Imagination hat in seiner Bildartigkeit mehr Kraft als die Sinneseindrücke, und zugleich mehr «Substanz» als die ungleich feineren inspirativen Erlebnisse.

Was «das reine Denken» für das Gebiet des Denkens und die physische Welt ist, das ist die Stimmung der Imagination für das Feld der Imagination und die ätherische Welt: Beides ist jeweils reine Aktivität ohne spezifischen Inhalt.

Ich erarbeite Pflanzen-Experimente, die geeignet sind, durch ihre Durchführung auch anderen Menschen Wahrnehmungen und wissenschaftliche Erkenntnisse imaginativer Art zu ermöglichen. So können sie das Prinzip kennenlernen und dann in Zukunft selber forschen.

Gezeigt werden Symbolisierungen des Duftes von Tagetes. Links: Tagetes tenuifolia mit Goldgedüngt, Rechts: mit Eisen gedüngt. Die Pflanzen Qualitäten verändern den Duft auf typischeWeise: der Duft von goldgedüngten Pflanzen ist sehr frisch und vital. Er ist aufgehellt undstrahlend. Er erzeugt unten leichte Wärme und eine Frische an der Peripherie. Er wirkt sehrharmonisch. Mit Eisen gedüngt wird der Duft aktivierend, kraftvoll ausstrahlend und kühl. Erwirkt sehr gerichtet.
In diesem YouTube-Video erläutert Torsten Arncken seine Arbeit zu Heilpflanzen

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