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Biodynamische Landwirtschaft & Hybridsorten

Herbsttagung 2023
Fachkonferenz

Datum: 5. - 8. Oktober 2023
Naturwissenschaftliche Sektion
in Zusammenarbeit mit der Sektion für Landwirtschaft
am Goetheanum

 


Wir stehen vor einem Dilemma. Als biodynamische Gemeinschaft wollen wir samenfeste Sorten aus eigener Züchtung anbauen und kommunizieren das auch so. Gleichzeitig sind im biodynamischen Erwerbsgemüseanbau Hybridsorten der grossen Saatgutfirmen im Anbau und somit auf dem Markt sehr präsent.

Die Diskussion des Themas ist hoch aktuell. Daher bieten die Naturwissenschaftliche Sektion und die Sektion für Landwirtschaft am Goetheanum während der Herbsttagung 2023 einen Raum für Gespräche unter Fachleuten der beteiligten Branchen an. Ziel der Konferenz ist die Zusammenführung vieler bereits geführter Einzeldiskussionen in einen ergebnisoffenen Austausch aus unterschiedlichen Perspektiven, in dem möglichst alle an der Wertschöpfungskette Beteiligten zu Wort kommen. Gespräche ermöglichen gegenseitiges Verstehen und damit einen Erkenntnisprozess, in dem eine Differenzierung der Positionen stattfinden kann.

Erwerbsbetriebe, insbesondere mit einem Standbein im Grosshandel, bei denen die Verwendung samenfester Sorten bei manchen Gemüsearten zu teils deutlichen Ertragseinbussen führen würde, sind besonders betroffen.

Die bio-dynamischen ZüchterInnen reagieren unterschiedlich auf diese Situation. Die Züchtung samenfester Sorten stellt die Lebensmittelqualität als Wert der biodynamischen Gemeinschaft in den Mittelpunkt. Um ökonomische Einbussen bei den Erzeugern zu vermeiden, müssen in einem dynamischen gemeinschaftlichen Prozess in Handel, Verarbeitung und auf Konsumentenseite Marktgewohnheiten und Werte im Qualitätsbegriff so gestaltet werden, dass sie mit den Eigenschaften samenfester Sorten in Einklang kommen und deren Anbau somit auch ökonomisch stimmig wird. Im Demeter-Verband in Deutschland ist aktuell eine solche Strategie zum Umstieg auf samenfeste Sorten beschlossen worden. Sie ist aber noch nicht in der Bewegung implementiert.

Manche ZüchterInnen legen demgegenüber in der aktuellen Situation den Schwerpunkt auf Sorten für professionelle Anbauer mit dem Fokus auf ökonomische Merkmale. Eine Möglichkeit, diese zu verbessern, ist die Hybridzüchtung. Diese ist gemäss Demeter-Richtlinien gegenwärtig aus Qualitätsgründen in der biodynamischen Züchtung nicht erlaubt. Jedoch: Wissen wir alles, was eine Hybridsorte ausmacht? Wenn bei bestimmten Kulturen die Methode der Hybridzüchtung auch in bio-dynamischen Zusammenhängen angewendet wird, kann die Abhängigkeit von konventionellen Hybriden und somit von den grossen Saatgutfirmen kurzfristig verringert werden.

Das wichtige Anliegen, dass die biodynamische Landwirtschaft/Demeter auf Dauer authentisch und handlungsfähig bleibt, setzt marktfähige und frei zugängliche Sorten voraus, die den biodynamischen Grundlagen entsprechen und sich im Eigentum der Branche befinden. Braucht es dazu vielfältige Strategien auf verschiedenen Ebenen?

Die Naturwissenschaftliche Sektion und die Sektion für Landwirtschaft am Goetheanum bieten in Zusammenarbeit mit in der Züchtung und im Saatgutbereich tätigen Personen sowie Demeter International mit einer Konferenz vom 5. – 8. Oktober 2023 einen Raum für Gespräche unter Fachleuten der beteiligten Branchen an, nachdem ein von der Sektion für Landwirtschaft initiiertes Treffen 2020 wegen des Corona-Lockdowns verschoben werden musste.

Die Zielgruppe der Fachkonferenz
Eingeladen sind alle an der Lösung des Dilemmas interessierten Fachpersonen aus Züchtung und Forschung, Saatgut und Anbau, Handel, Verarbeitung, Ernährung und den Verbänden der biodynamischen Landwirtschaft. Die Konferenzsprache ist deutsch, nach Bedarf mit Übersetzung für englischsprachige Teilnehmer. Es soll ein Prozess angestossen werden, der – auch mit Konferenzen in anderen Ländern – fortgesetzt werden kann.

Anliegen beider Sektionen ist, dass das Dilemma im Saatgutbereich eine Bearbeitung erfährt. Das Problem ist für die Glaubwürdigkeit der biodynamischen Bewegung nicht zu unterschätzen. Im Sinne des anstehenden 100-Jahre-Jubiläums der Begründung des biodynamischen Impulses und der Demeter-Markengemeinschaft gilt es einen Weg zu finden, das Dilemma in einen realistischen Zukunftsweg zu verwandeln.

Ruth Richter                                                                    Johannes Wirz                                                                      Vesna Forštnerič Lesjak                                                                  Ueli Hurter


Bei der Vorbereitung beteiligt: C. Simpfendörfer, BFDI; G. Rossmanith, Beratungsbüro für Ökol. Saatgut & Züchtung; M. Fleck, A. von Schulz, J. Fellner, Vorstand Kultursaat e.V.; P. Kunz, Fonds für Kulturpflanzenentwicklung; A. Zschunke, N. Uehlinger, Sativa Rheinau AG; C. Vollenweider, Züchtung Dottenfelderhof; A. Gerber, demeter.de
 

Kursort:
Forschungsinstitut am Goetheanum
im Halde Saal
Hügelweg 59
CH - 4143 Dornach

Regulärer Preis     = CHF 336.00
Ermässigter Preis = CHF 215.0

Programm

Vortragsredner

5. Oktober 2023
16:30 – 17:15 Uhr

Geschichte einer Kontroverse. Wo kommen wir her, wo wollen wir hin: sind wir schon urteilsfähig?

Demeter kommuniziert dem Verbraucher die Bedeutung samenfester Sorten. Die Wirklichkeit der Saatgutverwendung bei Demeter-Betrieben zeigt aber die breite Verwendung von konventionellen Hybriden. Seit Jahrzehnten beschäftigt dieser Widerspruch die Markengemeinschaft. Sind wir zu Hybriden wirklich umfassend urteilsfähig? Dazu bräuchten wir Forschung mit Hybriden, die unter biodynamischen Bedingungen gezüchtet werden.

Alexander Gerber

Nach einer landwirtschaftlichen Lehre auf einem Demeter-Betrieb studierte er an der Universität Hohenheim Agrarwissenschaften und promovierte am Institut für Sozialwissenschaften des Agrarbereichs. Von 1998–2002 war er Geschäftsführer des „Modellvorhaben Kulturlandschaft Hohenlohe“ und leistete Pionierarbeit für die methodische Entwicklung der transdisziplinären Umweltforschung. Als Koordinator für Ökolandbau und Verbraucherschutz an der Universität Hohenheim konzipierte er den ersten wertschöpfungskettenübergreifenden und englischsprachigen Master-Studiengang zur Ökologischen Lebensmittelwirtschaft. Ab 2003 baute er den Dachverband der deutschen Biobranche „Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft“ (BÖLW) mit auf, für den er bis 2013 als Geschäftsführer tätig und von 2018 bis 2022 Vorstand war. Seit 2013 ist er hauptamtlich Vorstand von Demeter Deutschland und seit 2014 Vizepräsident von Demeter International.

Christoph Simpfendörfer

1978: Abitur, 1979 Zivildienst auf einer Jugendfarm in Stuttgart (erste Begegnung mit Anthroposophie); 1981: Auslandsaufenthalt in Sambia mit Praktikum in der Landwirtschaft, 1982–1986: Studium der Landwirtschaft an der Fachhochschule Nürtingen mit Abschluss Dipl.Agr.Ing (FH). 1986–2019: verantwortlicher Betriebsleiter auf dem Reyerhof in Stuttgart Möhringen. Seit 2016 erster Generalsekretär von Demeter-International, jetzt Biodynamic Federation Demeter International. Seit 1991 ehrenamtliches Engagement im Demeter Verband. Von 1994–2014 in Vorstandsfunktionen: 1994 im Demeterbund; 2001 im Demeter Marktforum; 2007–2014 Aufsichtsratsvorsitzender im Demeter eV; viele Jahre im Vorstand des Prüfverein Karlsruhe; Lehrtätigkeit von 2016–2021 an der Hochschule Nürtingen/Geislingen im Wahlpflichtfach Soziale Landwirtschaft, Vorlesungen über Solidarische Landwirtschaft.

Jörg Hütter

Auslandszivildienst auf einer biologisch-dynamischen Farm in Norwegen, Studium der ökologischen Agrarwissenschaften 2001–2006 in Kassel/Witzenhausen und anschließend Aufbau einer Gärtnerei bei Mainz. Seit 2014 leitet er das Referat für Landwirtschaft und die Richtlinienentwicklung bei Demeter Deutschland und ist Mitglied des Standards Committee von BFDI. Von 2018 an vertritt er Demeter Deutschland als Delegierter bei BFDI und ist in diversen Fachausschüssen des Öko-Dachverbands in Deutschland aktiv. Jüngst zunächst kommissarische Übernahme der politischen Arbeit von Demeter Deutschland.

5. Oktober 2023
17:15 – 18:00 Uhr

Zur Geschichte und zu den biologischen Grundlagen der Hybridzüchtung

Zur Geschichte der Hybridzüchtung
(Ueli Hurter)
*** Abstract folgt ***

Zu den biologischen Grundlagen der Hybridzüchtung
(Johannes Wirz)

In einer ersten Annäherung kann die Reproduktion von Pflanzen über Samen auf Fremd- bzw. Selbstbestäuber heruntergebrochen werden. Die Natur versucht, die Plastizität, mit der jede Pflanze auf kleine Veränderungen ihrer Entwicklungsbedingungen reagiert, genetisch zu erhöhen – auf diese Eigenschaft ist bereits Goethe aufmerksam geworden. Interessant ist, dass Hybridisierung im klassisch-genetischen Sinn in der Evolution die Vielfalt vergrössert, während die jeweils ersten Hybridgenerationen – neben dem immer noch nicht verstandenen Heterosiseffekt – eine Einheitlichkeit erreichen, die an eine «eingefrorene Typusidee» erinnert.

Ueli Hurter

Seit 2010 in der Leitung der Sektion für Landwirtschaft und seit 2020 auch im Vorstand der Allg. Anthroposophischen Gesellschaft. Seit 2019 im Verwaltungsrat der Weleda. Bis 2020 biologisch-dynamischer Landwirt auf der Ferme-Fromagerie de L'Aubier und in der Leitung von L’Aubier.  Seit 2002 im Vorstand der International Biodynamic Association (IBDA) und seit 2021 im Aufsichtsrat der Biodynamic Federation Demeter International (BFDI).

Johannes Wirz

Promotion in molekularer Genetik, Projekte am Forschungsinstitut am Goetheanum über die Ökologie der Schmetterlinge und die Aufwertung ihrer Lebensräume, zur Stärkung der Gesundheit der Honigbiene sowie über «non-target effects» gentechnischer Veränderungen an Kulturpflanzen. Seit 2014 zusätzlich Mitarbeiter der Lehr- und Versuchsimkerei Fischermühle, Mellifera e.V.; Seminare über goetheanistische Naturwissenschaft, Anthroposophie, wesensgemässe Bienenhaltung und aktuelle Entwicklungen in der Biologie. Von 2019–2022 Co-Leiter der Naturwissenschaftlichen Sektion am Goetheanum.

5. Oktober 2023
19:30 – 21:00 Uhr

Mensch – Pflanze – Erde. Die goetheanistische Erkenntnismethode als Brücke zum Züchterblick

Der Goetheanismus als Erkenntnisweg beinhaltet eine lebendige und wandlungsfähige Begriffsfindung. Für Züchtende sind im Tätigkeitsalltag schnelle Entscheidungen nötig. Von Erfahrungen mit dieser Schnittstelle in der Praxis wird in dem Beitrag berichtet.

Ulrike Behrendt

1959 geboren. Nach der Schule ab 1978 in drei verschiedenen Gärntnereien das Handwerk von Gemüse- und Samenbau erelernt. 1982/83 nahm sie am naturwissenschaftlich-anthroposophischen Studienjahr in Dornach teil. 1984 bis 1988 erfolgte ihr Gartenbaustudium an der Fachhochschule Osnabrück mit den Schwerpunkten Samenbau und Pflanzenzüchtung. Seit 1992 lebt sie in Norddeutschland, wo sie die Oldendorfer Saatzucht gründete, in der sie bis dato tätig ist.

Christine Arncken

Agraringenieurin, seit 1997 am Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Frick tätig und seit 2014 befasst mit der Vorstufenzüchtung von Weisser Lupine auf Resistenz gegen die Pilzkrankheit Anthraknose und Eignung für die menschliche Ernährung. Vor dem Landwirtschaftsstudium drei Jahre Zusammenarbeit mit Peter Kunz beim Aufbau seiner Züchtung von Weizen und Dinkel für biologische Landwirtschaft. Naturwissenschaftliches Studienjahr am Goetheanum bei Jochen Bockemühl und Georg Maier 1989/90. Studium der Geographie und Germanistik in Tübingen. Geboren und aufgewachsen in Stuttgart. Verheiratet, drei erwachsene Kinder.

6. Oktober 2023
09:15 – 10:45 Uhr

Anbau und Vermarktung

Blitzlicht auf die Alltagsrealität eines bio-dynamischen Gemüsebaubetrieb

Piluweri baut seit 27 Jahren Gemüse für den Frischmarkt an. Eine wichtige Rolle spielt die regionale Direktvermarktung an Endverbraucher. Welche Aufgaben haben wir uns gestellt, was sind die aktuellen Herausforderungen, Chancen und Risiken in Bezug auf Sortenwahl und Vermarktung?

Horst Ritter

Horst Ritter, 62 Jahre, Mit-Gründer und Mit-Inhaber der Demeter-Gärtnerei Piluweri in Müllheim bei Freiburg, (Erwerbsgemüsebau, Saatgutvermehrung, Züchtung); seit vielen Jahren aktiv im Netzwerk von Kultursaat und Bingenheimer Saatgut.

Perspektive einer Anbauerin zum Thema samenfeste Sorten

Zu Anfang wird mein Verhältnis zur Pflanze im Betriebszusammenhang beleuchtet. Danach berichte ich über den langjährigen Anbau und die Vermarktung samenfester Sorten in meinem Gemüse und Ackerbaubetrieb. Im Folgenden entwickle ich Perspektiven hergeleitet aus der Frage nach dem Wesen der Pflanze und der Bedeutung des Samenbildungsprozesses im Alltag. Weiter werfe ich einem Blick auf die Situation eines Demeterbetriebes in der jetzigen Zeit. Ich möchte darauf hinweisen, warum Entscheidungen bezüglich des Umganges mit Pflanzen, wie mit dem Leben überhaupt, gemeinschaftlich wirksam werden. Es ist eine Sphäre, die über den Einfluss des Einzelnen hinausgeht und deshalb einen gemeinsamen Bewusstseinsbildungsprozess von uns fordert.

Maria Bienert

Aufgewachsen in Stuttgart, Ausbildung auf dem Warmonderhof in den Niederlanden als biologisch-dynamische Landwirtin. Arbeitsreise einmal um die Erde und dabei Mitarbeit bei verschiedensten bio- und bio-dynamischen Höfen und Initiativen. Seit 1999 eigener Demeterbetrieb bei Leipzig mit dem Schwerpunkt Gemüsebau und Getreidearten.

Biol.-dynamischer Gemüseanbau im Spannungsfeld zwischen Ideal und Marktpraxis

Ich möchte über meine Erfahrungen, Erlebnisse und Erkenntnisse sprechen, die sich auf den Anbau und die Vermarktung von F1-Hybriden und samenfesten Sorten beziehen. Das wird ein weites Feld zwischen Dilemma, Not und ein paar Lichtpunkten sein.

Julian Jacobs

(* 1959), Mitbegründer der Gärtnerei Obergrashof bei Dachau und dort seit 1992 als Betriebsleiter tätig. Neben dem Anbau von Gemüse war die Vermarktung an den Großhandel und an Abokistenbetriebe 24 Jahre lang sein Aufgabenbereich. Die Betriebsfläche umfasst z.Zt. 145 ha, davon 60 ha Freilandgemüse, eine Mutterkuhherde und Ackerbau.
Seit 1986 Samenbau und Biodynamische Pflanzenzüchtung als Hauptaktivität. Dazu gehört auch die aktive Mitarbeit bei Kultursaat e.V. und der Bingenheimer Saatgut AG.
2021 wurde am Obergrashof die Saatgutarbeit in den Verein Kulturpflanzenentwicklung Obergrashof e.V. ausgegliedert. Neben der Sortenentwicklung betätigt er sich auch in der Grundlagenforschung.

6. Oktober 2023
14:30 – 16:00 Uhr

Impulsbeiträge Züchtung

Gesichtspunkte zu Hybriden aus der Perspektive der Evolution

*** Abstract folgt ***

Ute Kirchgässer

Gesichtspunkte zu Hybriden aus der Perspektive der Nahrungsqualität

Was bedeuten Hybriden und molekulare Marker für das Wesen der Pflanze? Ernährungsqualität für den sich entwickelnden Menschen – Züchten aus der Zukunft <-> Vererbungsdenken ist vergangenheitsbezogen. Aufgaben einer biodynamischen Pflanzenzüchtung im Kontext des Landwirtschaftlichen Kurses.

Christina Henatsch

Ausbildung zur Demeter – Landwirtschaft und Gärtnerei und Deutschland und NL, Studium der Agrarwissenschaften in Bonn. Seit 25 Jahren Gemüsezüchtung und Züchtungsforschung im Rahmen von Kultursaat.

Gesichtspunkte zu Hybriden aus der Perspektive von Sozialökonomie und Recht

Historisch hat die Ökonomie in den letzten hundert Jahren eine unangemessen herausragende Stellung in der Gesellschaft gewonnen. Eine blühende Landwirtschaft und ebenso eine zukunftsfähige biodynamische Züchtung setzen aber voraus, dass die Gesichtspunkte zu ihrer Entwicklung aus ihr selbst kommen und nicht ökonomischen Erwägungen folgen.

Arne von Schulz

Jg. 1962, setzt sich seit Jahrzehnten für die biodynamische Züchtung ein. Auf dem Acker und im Gewächshaus, als Saatgutvermehrer, Gemüsegärtner und Züchter, aber auch im Vorstand des größten Züchtungsnetzwerks Kultursaat e.V. sowie im Vorstand von bioverita. Er wuchs die meiste Zeit in den Niederlanden auf, schon bald nach der Schule beschäftigte er sich mit biodynamischer Landwirtschaft.
Nach der Ausbildung suchte er zusammen mit seiner Frau und zwei weiteren Paaren einen Hof zur gemeinsamen Bewirtschaftung. Der fand sich nach intensiver Suche 1991 in Form der Domäne Fredeburg in Schleswig-Holstein, südlich von Lübeck. Seit Anfang an wird der Demeter-Hof als Gemischtbetrieb bewirtschaftet.

Biodynamische Maiszüchtung, Inzucht, Hybriden, Vitalität und kreative Partnerschaften mit Bakterien

Inzucht, die Vitalität von Hybriden, Anpassungsfähigkeit und Partnerschaften mit nützlichen Bakterien – dies alles sind Faktoren, die vom biodynamischen Maiszüchter im Gleichgewicht angewendet werden müssen, um die volle Entfaltung und das grösstmögliche Potential der Kulturpflanze zur Erscheinung zu bringen. Durch biodynamische Züchtung entstehen Partnerschaften mit endophytischen Bakterien, die Stickstoff binden und Nährstoffdichte und Ertrag erhöhen. Wenn wir mit solchen Inzuchtlinien Hybriden herstellen, kreuzen wir ganze Teams von Pflanzen und Bakterien. Das kann die Vitalität, die Widerstandsfähigkeit und den Nährwert der Kulturpflanze steigern.

Walter Goldstein

Walter Goldstein studierte von 1976 bis 1980 biodynamischen und ökologischen Landbau in der Schweiz, England und Schweden und kam zum MSc und PhD in Agronomie an der Washington State University in den USA. Vergleich konventioneller, biologischer und biodynamischer Praktiken. 25 Jahre als Forschungsdirektor am Michael Fields Agricultural Institute in Wisconsin tätig. 2011 Gründung des Mandaamin Institute (www.mandaamin.org). Seit 1989 züchtet und testet er Mais für biologische/biodynamische Landwirte.

Was ist biodynamisch an Hybridzüchtung? Eine Standortbestimmung bei Sativa

Sativa betreibt biodynamische Gemüsezüchtung bei verschiedenen Pflanzenarten. Bei Zuckermais hat sich Sativa 2022 entschieden, neben Populationssorten zusätzlich auch Hybridsorten zu züchten. Das Referat erläutert, wie der Entscheidungsprozess war, wie die Umsetzung geschieht und warum aus Sicht von Sativa diese Arbeit mit den Grundsätzen der biodynamischen Züchtung zu vereinbaren ist.

Amadeus Zschunke

Jahrgang 1962, verheiratet, 3 erwachsene Kinder, Ausbildung Gemüsegärtner (biodynamisch), Gartenbaustudium Schwerpunkt Pflanzenzüchtung und Samenbau. 11 Jahre biodynamischer Gemüsesamenbau am Ekkharthof TG.  25 Jahre Geschäftsführer Sativa Rheinau AG.

7. Oktober 2023
09:15 – 10:45 Uhr

Qualität und Ernährung

Das ist eine Ernährungsfrage

„Das ist eine Ernährungsfrage“, antwortete Rudolf Steiner auf Ehrenfried Pfeiffers Frage, warum die Anthroposophen ihre geistigen Erkenntnisse nicht in die Tat umsetzen. Die Qualität der Nahrungsmittel sei nicht mehr geeignet, damit sich das Geistige im Physischen manifestieren könne. Daraus ergeben sich auch heute noch aktuelle Aspekte für die Lebensmittelqualität und Ernährungskultur.

Jasmin Peschke

Als promovierte Oecotrophologin beschäftigt sich Jasmin Peschke seit über 30 Jahren mit der Qualität von Lebensmitteln und Naturprodukten, sei es im Anbau, in der Verarbeitung, im Labor oder in der Ernährung. Sie ist zertifizierte WirkSensorik Trainerin und nach Stationen im Qualitätsmanagement und in der Qualitätsentwicklung für die Nahrungsmittel- und Kosmetikindustrie leitet sie seit 2016 den Fachbereich Ernährung an der Sektion für Landwirtschaft am Goetheanum. Autorin des Buches „Vom Acker auf den Teller, was Lebensmittel wirklich gesund macht“ (2021).

Exklusionen kosmischer Formkräfte durch die Technik der Hybridisierung und ihre Folgen für die frühkindliche Entwicklung

Die geisteswissenschaftlichen Ausführungen Rudolf Steiners in den Jahren 1923/24* zum Kambium in der Pflanze – dem Bildekontext dieses Embryonalgewebes und seiner Bedeutung für den generationsübergreifenden Erhalt der Pflanzenform – erweisen sich als Schlüssel, welcher die bislang beobachtbaren Einzelphänomene an Hybriden im An- und Nachbau erst in ihrem inneren ursächlichen Zusammenhang aufzuzeigen vermag. Hieraus resultiert ein innerer Wertigkeitsverlust unserer Nahrungspflanzen durch die manipulierte Hybridisierung, die insbesondere eine Schädigung der frühkindlichen Gehirnentwicklung in langfristiger Folge bedingt.

*(s. GA 229, 230, 327, 351

Heidi Franzke

Heide Franzke (Dipl.-Ing. agr. FH.), biolog-dynam. Getreidezüchter- und Forscherin aus Unterlengenhardt knüpfte 1993 an den Züchtungsstrom von Martin und Georg Wilhelm Schmidt an. Seit 1998 widmet sie sich der Entwicklung neuer Getreidesorten und gründete 1999/2000 hierfür die Saatgutinitiative Spica e. V. Ihre Weizen- und Dinkelsorten werden auf demeter-Betrieben im Nordschwarzwald und Hohenlohischen angebaut und über die Firma Erdmann Hauser verarbeitet. Methodisch setzt sie in der Sortenentwicklung an den Rhythmen- und Kräftebeziehungen der Getreidepflanze zum Lebensumraum an. Die Frage nach einem spirituellen Verständnis des Vererbungsgeschehens führte sie zur Bearbeitung der Kambiumthematik, der Bedeutung und Funktion dieses Bildegewebes sowie seiner Schädigung durch Technologien der Hybridzüchtung, veröffentlicht 2017 in einer Studie. Ihre aktuellen Forschungsthemen sind Veredelungsansätze mit Turmalinsubstanzen, sowie die Transsubstantiationskraft von Schmetterlingsblut.

Qualität samenfester Sorten und Hybride bei Gemüse - Ergebnisse der bildschaffenden Methoden

Es wurde der Wissensstand der bildschaffenden Methoden über die Qualität samenfester Sorten und Hybride bei Gemüse recherchiert. 42 Versuche mit 183 Proben aus den Jahren 1998 bis 2022 konnten ausgewertet werden.

Uwe Geier

Dr. Uwe Geier, Vorstand im Forschungsring e.V. in Darmstadt, dort seit 2006 zuständig für Forschung über Lebensmittelqualität.

Die FAS zur Beurteilung von Wachstums- und Reifeprozessen in Pflanzen

Die Qualitäten von pflanzlichen Lebensmitteln (darunter z.B. Haltbarkeit, aber auch verschiedenste Leben vermittelnde Merkmale) können in enger Verknüpfung mit deren Lebens- und Wachstumsprozessen gesehen werden, welche wiederum (pflanzen-typisch) in enger Beziehung zum Licht stehen. Es soll vorgestellt werden, wie mit der Fluoreszenz-Anregungs-Spektroskopie, insbesondere also mit dem Nachleuchtverhalten der Pflanzen, es möglich sein kann, diese Lebensprozesse zu beurteilen hinsichtlich eines ausgewogenen, arttypischen Zustandes oder Abweichungen davon. Autoren/Beteiligt: Dr. Jenifer Wohlers, Dr. Peter Stolz, G. Mende.

Jenifer Wohlers

Dr. agr. Jenifer Wohlers studierte und promovierte an der Uni Kassel-Witzenhausen im Fach Ökologische Landwirtschaft und fokussierte ihre Forschungsexpertise auf den Bereich der Lebensmittelqualität. Insbesondere die Beurteilung mit ganzheitlichen Methoden als Ergänzung zu analytischen Qualitätsmerkmalen ist ihr ein Anliegen, welches sie in ihrer langjährigen Tätigkeit am Institut KWALIS unter Verwendung der die Fluoreszenz- Anregungs-Spektroskopie intensiv weiterverfolgt.

7. Oktober 2023
14:30 – 16:00 Uhr

Handel

Vielfalt auf dem Acker braucht Vielfalt im Handel

Die biologisch-dynamischen Prinzipien lassen das Wirtschaften im Allgemeinen, auch beim Gestalten der Handelsformen, fruchtbar werden, z.B. wenn wir Kreisläufe schaffen, die Erzeuger, Handel und Bürgerschaft ganzheitlich verbinden. Hier gilt es, die Marktstrukturfragen in Verbindung mit der Nachhaltigkeits-Ausrichtung der Wirtschaftspartner aktiv zu nutzen, um Transparenz zu schaffen und Orientierung zu geben. Der Anbau samenfester Sorten findet seine Entsprechung in der Verantwortungskultur der Konsumentenebene.

Sascha Damaschun

53 Jahre, verheiratet, 3 Kinder, wohnhaft am Bodensee. Agraringenieur (FH), praktische Arbeit in der Landwirtschaft auf div. Demeter-Höfen und in der Alpwirtschaft.
Arbeitsschwerpunkte: Qualitäts-Forschung, Naturkosteinzelhandel und Regionalentwicklung, Naturkostfachhandel, -Netzwerken. Seit 2007 tätig bei der BODAN Großhandel für Naturkost GmbH, seit 2013 als Geschäftsführer. 2014-2021 Mitglied im Aufsichtsrat des Demeter e.V., 2020-2023 Mitinitiator und -akteur der Initiative „Viva Now“ im Rahmen der Verbandstransformation des BNN e.V.

Was wollen die Verbraucher, wie können wir das erreichen, wer ist der Initiator?

Wie versucht Odin, samenfeste Sorten in den Niederlanden auf den Boden und auf den Teller zu bringen? Wie man aus dem Preisdenken zu einer Wertstrategie kommt.

Theo Boon

1978–1981 biologisch-dynamische Landwirtschaftsschule Warmonderhof. Arbeitete mehrere Jahre im Bio-Großhandel. 1986 Naturwissenschaftliches Studienjahr in Dornach. Agrarwirtschaftswissenschaft landwirtschaftliche Universität Wageningen. 4 Jahre Inhaber Naturkostladen. Seit 1995 bei Odin beschäftigt in Gemüseeinkauf und Planung, Logistik. Jetzt in der Unternehmensleitung verantwortlich für Logistik, Source and Supply und Odin Farm die Beersche Hoeve für Saatgut Zucht und Vermehrung.

8. Oktober 2023
09:15 – 10:45 Uhr

Blick in die Zukunft

Was ist nötig, um einen gemeinsamen Weg zu gehen?

Aus dem gemeinsam in den Gesprächen Erlebten heraus in die Zukunft blicken.

Gebhard Rossmanith

(Jahrgang 1956) Studium des Gartenbaus in Weihenstephan; zwanzig Jahre Betriebsleiter im biodynamischen Erwerbsgemüsebau. Ab 2001 mit Gründung der Bingenheimer Saatgut AG Vorstandsvorsitzender bis Juni 2022, verantwortet insbesondere die Bereiche Züchtung, Produktion, Raumentwicklung und Politik. Seitdem als selbstständiger Berater tätig; er vertritt weiterhin die biodynamische und ökologische Züchtung und Saatgutarbeit in vielen Gremien, so z.B.: Demeter Fachbeirat, ECO-PB (European Consortium for Organic Plant Breeding), Dachverband Ökologische Pflanzenzüchtung in Deutschland, BOELW (Bundesverband Ökologische Lebensmittelwirtschaft), IFOAM Organics international und IFOAM OE (seed expert group), sowie IG Saatgut (Interessengemeinschaft gentechnikfreie Saatgutarbeit) und setzt sich auf politischer Ebene für ökologisches Saatgut und ökologische Sorten sowie den Schutz vor Gentechnik ein.

Speedtalks

 

Die Speedtalks finden am Freitagabend, 6. Oktober und Samstagabend 7. Oktober
ab 19:30 Uhr im Halde Saal statt:


Charlotte Aichholz
«Selbstungen und Linienzüchtung bei Zuckermais»

Wie Selbstungen und Linienzüchtung bei Zuckermais zur Weiterentwicklung der Kulturpflanze beitragen können.


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Jenifer Wohlers & Stefan Doeblin
«Vorstellung eines Forschungsprojektes über den Einfluss verschiedener Pflanzenzüchtungsmethoden auf die Qualität der Früchte inklusive Methodenvergleich»

Zur Generierung von Bildmaterial für die Kulturen Zuckermais, Tomaten (Unterlagen) und Hokkaidokürbis.


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Walter Goldstein
«Einige soziale und ethische Aspekte biodynamischer Maishybriden»

Unter Verwendung eines Goetheschen Ansatzes und biodynamischer Zielsetzungen haben wir am Mandaamin-Institut unter biodynamischen Bedingungen neue Arten von Hybriden entwickelt, die Qualität, Vitalität, Ertrag und Umweltfreundlichkeit vereinen. Sollte all das nicht für einige biodynamischen Landwirte zur Verfügung stehen, weil es eventuell ihr bestmögliches Saatgut ist?


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René Groenen
«F1 Hybriden; Sorten ohne Vergangenheit und ohne Zukunft»

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Sebstian Kussmann & Carl Vollenweider
«Politische, soziale und ökologische Dimensionen der Hybridzüchtung»

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Peter Kunz
«Der Streit um die Hybridzüchtung macht den Nebenschauplatz zur Hauptbühne»

Der geschulte Blick, das heisst das Qualitätskonzept und die biodynamischen Anbaubedingungen sind wichtiger als die Zuchtmethode.


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Markus Buchmann
«Die übersinnliche Organisation der Pflanzen vor, während und nach der Befruchtung»

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Hartmut Spiess
«F1-Hybrid-Kartoffeln. Haben wir eine Antwort für den Biodynamischen Landbau?»
*** wurde abgesagt ***

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Peter Böhlefeld
«Hybridsorten in der biodynamischen Züchtung – mögliche Konsequenzen für Demeter»

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Alex Edleson
«Eine lateinamerikanische Perspektive auf die Verwendung von Hybriden in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft»