Steigerung des inneren Erlebens in der Meditation durch Naturbetrachtung

Torsten Arncken

Für die anthroposophische Forschungsarbeit mit Pflanzen ist es essenziell, diese durch Meditation zu unterstützen. Hier möchte ich einen Aspekt dieser meditativen Arbeit beschreiben.

Rudolf Steiner gibt den folgenden Meditationsspruch 1904 für Michael Bauer und erläutert diesen am 24.10.1905 (GA 267):

Strahlender als die Sonne
Reiner als der Schnee
Feiner als der Äther
Ist das Selbst,
Der Geist in meinem Herzen
Dies Selbst bin Ich,
Ich bin dies Selbst

Mehr als 10 Jahre sagte ich innerlich diesen Spruch in meiner Morgenmeditation. Eines Tages kaufte ich einen Solarofen, um beim Kochen Energie zu sparen. Dieser Ofen ist eine Kiste mit einem dicht schliessenden Glasdeckel und ist umgeben von spiegelnden Blechen, die das eingefangene Sonnenlicht in das Zentrum der Kiste hineinspiegeln. In dieser ist eine bewegliche Aufhängung, um einen Kochtopf zu tragen und ihn im Gleichgewicht zu halten.

Will man damit kochen, muss die Öffnung des Ofens horizontal und vertikal genau auf die Sonne ausgerichtet werden, sonst heizt er sich nicht ausreichend auf. Kartoffeln benötigen damit mindestens eine Stunde und in dieser Zeit wandert die Sonne schon 15 Grad weiter. Man kann die Kiste also nicht einfach ausrichten und vergessen, sondern muss zweimal nachjustieren. Bei diesem Vorgang muss ich genau visieren, woher die Energie der Sonne einstrahlt, während ich sonst in der Mittagszeit nicht direkt schaue, wo die Sonne steht, um nicht geblendet zu werden.

Nun machte ich wieder die Meditation und plötzlich erlebte ich die strahlende Sonne als ein Krafterlebnis in der Meditation, wenn ich die erste Zeile sprach. Als ich dies genauer untersuchte, konnte ich erleben, dass ich dieses Krafterlebnis aus der Erinnerung schöpfe, aber aktiv hervorbringen muss. Ich erinnere mich an die Situation des Ausrichtens, aber die Strahlung innerlich als Kraft zu erleben, ist eine Willensanstrengung.

Dieses Neuschaffen des Krafterlebnisses findet nicht in der gegenständlichen Vorstellung statt, sondern im imaginativen Wahrnehmen. So erlebe ich in der Meditation, als Folge der ersten Zeile des Spruches, ein starkes Strahlen der Sonne. Und durch das erste Wort der Zeile, «strahlender», werde ich in meiner Meditation auf eine über dieses Krafterlebnis hinauswachsende Kraft gelenkt.

Um auch für die Zeile «Reiner als der Schnee» eine innere Anschauung zu entwickeln, habe ich daraufhin in den folgenden Wintern den Schnee genauer betrachtet. Beim Skifahren habe ich immer wieder angehalten und versucht, den Schnee wahrzunehmen. Er rieselt von oben auf die Erde. So zart und stetig fallend bedeckt er bald als kristalline Decke die ganze Welt. Greife ich in den Schnee, dann fühlt er sich leicht an. Er schmilzt im Mund und schmeckt leicht mineralisch. Was er bedeckt, ist strahlend weiss.

All dies versuche ich mir zu vergegenwärtigen, um die von Rudolf Steiner erwähnte Reinheit darin zu erleben. Ich erlebe Reinheit als einen Prozess, vom Unreinen zum Reinen. Die weisse Farbe ist ein Bild dafür und Rudolf Steiner regt mit der Meditation an, eine Steigerung dieser Reinheit zu erleben.

Für die Zeile «Feiner als der Äther», wähle ich das Blau des Himmels als Annäherung, um das Ätherische zu beobachten. Hier gibt es Feinheiten des Blaus in vielen Nuancen zu erleben.

So verschränken sich Meditationsspruch und Wahrnehmung der Welt. Ich habe den Spruch verlebendigt und zugleich hat er mich angeregt, neue Wahrnehmungen zu machen. Ich bin überzeugt, dass auf diese Weise mancher Meditationsspruch eine grössere Tiefe gewinnen kann.

Mein Fazit: Nehmen Sie Erlebnisse aus der Wirklichkeit, zunächst als Vorstellung, dann als bildhaftes Kräfteerlebnis, in die Meditation hinein – und Sie werden im Inneren eine Steigerung erleben und wunderbarerweise auch Ihre Verbindung mit der Welt verstärken.

 

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Der Solarofen
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